Interview mit Luca Vodde

Endlich geht es weiter mit meiner Serie von Interviews mit Sportlerinnen und Sportlern aus verschiedenen Sportarten. Dabei geht es um die eigene Persönlichkeitsentwicklung durch ihren Sport, um ihre Erfahrungen als Jugendliche, die weitere sportliche Laufbahn, mentale Strategien und um Tipps und Ideen für die Arbeit mit Jugendlichen.

Luca Vodde

Luca Vodde ist Handballerin beim SFN Vechta. Die 23-jährige Rückraum-Spielerin führt das Drittliga-Team in dieser Saison als Kapitänin auf das Handballfeld. Sowohl vorne im linken Rückraum als auch hinten im Mittelblock ist sie absolute Führungsspielerin im Team von Kai Freese. Mit ihrer Dynamik und ihrer Schnelligkeit ist sie in der zweiten Welle kaum zu stoppen. Mit 60 Toren liegt sie aktuell auf Platz 2 der Torschützenliste der 3. Liga in der Staffel A.

Luca Vodde begann ihre Handball-Laufbahn beim TV Dinklage und warf bereits in jungen Jahren Tore „wie am Fließband“. Zufällig sah ich ein Spiel von ihr als C-Jugendliche und war bereits da ein großer Fan von ihrer Spielweise. Um so schöner, dass wir auch eine Saison – 2016/17 – zusammen spielen durften.

Bereits mit 17 Jahren wechselte Luca 2016 in die Drittliga-Mannschaft von SFN Vechta. Dort sammelte sie direkt in der 1. Saison wertvolle Erfahrungen in der 3. Liga. Parallel dazu feierte sie mit der A-Jugend vom TV Dinklage (Doppelspielrecht) die Meisterschaft in der Oberliga nach einer überragenden Saison. Das Team von Andreas und Hiltrud Espelage ließ dabei die Teams vom VfL Oldenburg und der HSG Hannover-Badenstedt hinter sich.

Konzentriert beim Torwurf

Interview Persönlichkeitsentwicklung & Sport

Liebe Luca, ich freue mich sehr, dass du bereit bist, für den Blog einmal die folgenden Fragen zu beantworten.

Magst du dich einmal kurz vorstellen, wer du bist und was du in deinem Alltag machst?

Hallo, ich bin Luca, 23 Jahre alt und spiele derzeit in der Ersten Damen des SFN Vechta. Ich studiere in Oldenburg Sonderpädagogik, Elementarmathematik und Sport mit dem Ziel Förderschullehrerin zu werden.

In welchem Alter und wie bist du zum Handball gekommen?

Ich lief bereits mit drei Jahren in der Handballhalle rum, da meine Mutter als Erzieherin und Sportbegeisterte gefragt wurde, ob sie die Minis der Handballabteilung des TV Dinklage mit betreuen möchte. So nahm sie mich direkt schon zu dem wöchentlichen Training mit.

Was waren deine tollsten Erlebnisse beim Handball als Jugendliche und bei den Damen?

Ich durfte bereits viele tolle Erlebnisse in meiner Handballkarriere erleben. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Länderpokalrunde mit dem HVN 2014. Unsere Mannschaft schaffte es nach vielen Jahren erstmals wieder sich für die Endrunde zu qualifizieren. Dort spielten wir gegen die besten Nachwuchssportlerinnen unseres Jahrgangs, wovon viele heute in der ersten oder zweiten Liga zu beobachten sind. Ein weiteres Highlight war für mich die letzte A-Jugend Saison beim TV-Dinklage. In dieser schafften wir es, die in der A-Jugendbundesliga spielende Truppe des VFL Oldenburg zuhause vor voller Halle zu schlagen. Damit bereiteten wir den Weg zur Meisterschaft vor, die wir dann tatsächlich auch überglücklich feiern durften.

Im Trikot des Handball-Verbandes Niedersachsen

Weiter war natürlich mein erster Einsatz in der dritten Liga beim SFN Vechta ein wichtiger und toller Meilenstein für mich. Dazu gab es in den letzten Jahren einige Spiele in der dritten Liga, wie zum Beispiel der Sieg über den Tabellenführer Henstedt-Ulzburg oder ein eng umkämpftes Unentschieden gegen den BVB II an einem Freitagabend in der Halle West, an die ich mich gerne zurückerinnere. Auch die Meisterschaft in der Oberligasaison und der damit verbundene Wiederaufstieg darf hier nicht fehlen, auch wenn dieser nicht so spektakulär verlief wie euer damaliges letztes Spiel gegen Stade.

Ansonsten durfte ich auch außerhalb des Handballfeldes so einige spektakuläre Mannschaftsfeiern und -fahrten erleben, die meine bisherige Handballzeit sehr geprägt haben und die ich nicht missen möchte.

Gibt es einen Misserfolg/eine Niederlage in deiner Laufbahn, durch die du im Nachhinein einiges gelernt hast?

Die bisher frustrierendste Niederlage erlebte ich leider mit dem SFN in den Abstiegsspielen der dritten Liga in der Saison 17/18. Wir fuhren nach Bayern, sowie nach Berlin und konnten leider unsere Leistung nicht abrufen, sodass wir aus der Liga abstiegen. Der Frust und die Enttäuschung waren bei allen sehr groß. Dennoch konnte ich aus diesem Misserfolg lernen, dass Niederlagen wichtig sind, um zu erkennen woran gearbeitet werden muss. Dazu ist zwar eine unangenehme Selbstreflexion notwendig, diese hilft einem jedoch dabei wieder stärker aus dem Misserfolg hervorzugehen. Weiter war es zwar eine harte Erfahrung, dennoch hat man diese zusammen mit seinen Teamkolleginnen geteilt, was die Verarbeitung zunehmend erleichtert. Durch neue Motivation, Wille und einem klaren gemeinsamen Ziel konnte man sich gemeinsam zurück kämpfen und den Wiederaufstieg schaffen. Ein weiterer Lernaspekt war folgender: Damit eine Mannschaft eine gute gemeinsame Leistung bringt, muss nicht nur das sportliche, sondern auch der Umgang miteinander und die Atmosphäre im Team, sowohl zu den Mitspielerinnen, als auch zu den Trainern stimmen. Die aber wohl wichtigste Erkenntnis war jedoch, dass man trotz dieses derben Rückschlags nicht weniger geschätzt wird, Misserfolge zum Leben dazugehören und eine bessere Leistung wieder in neuen Situationen möglich ist.

Mit Entschlossenheit zum Tor

Was hast du für deine eigene persönliche Entwicklung beim Handball gelernt?

Für meine eigene persönliche Entwicklung konnte ich beim Handball sehr viel mitnehmen: So lernte ich wie man als Team funktioniert und agiert, aber auch miteinander kommuniziert. Weiter lernte ich kennen, was es heißt fair und gerecht zu sein und auch jeden so zu behandeln. Zusätzlich lernte ich einerseits an meine Leistungsgrenzen zu gehen und die Leistung in entscheidenden Situationen abrufen zu können, Verantwortung zu übernehmen. Andererseits musste ich üben auch schlechtere Leistungen von mir einzugestehen, zu reflektieren und mit Niederlagen umzugehen. Insgesamt hat das Handballspielen mich also vielseitig gestärkt: in meinem Selbstbewusstsein, in meinem Auftreten, in meinen kommunikativen Fähigkeiten, in meinem Teamgedanken und in dem Verarbeiten von Rückschlägen, sowie dem Akzeptieren vom Scheitern.

Wie sieht eine typische Trainingswoche bei dir aus?

Ich trainiere mit der Mannschaft zusammen drei Mal die Woche (Montag, Dienstag und Donnerstag). Meistens steht dann am Samstag ein Saisonspiel an. Die restlichen Tage werden dazu genutzt zu regenerieren und anderen Freizeitbeschäftigungen nachzugehen.

Was sind deine nächsten Ziele beim Handball und worauf freust du dich aktuell besonders?

Meine nächsten Ziele beim Handball sind die aktuelle Saison möglichst erfolgreich abzuschließen und den Klassenerhalt zu feiern, sowie persönlich noch weiter an meinen Rückraumwürfen zu arbeiten und die bestmögliche Leistung abrufen zu können. Momentan freue ich mich besonders darauf, dass die Halle unter 2G-Auflagen wieder gefüllt werde darf und damit die Spiele in der Halle West wieder in toller Atmosphäre stattfinden.

Spielführerin Luca Vodde

Welche Gewohnheiten und Routinen helfen dir, deinen Sport fokussiert und erfolgreich auszuüben?

Tatsächlich nutze und benötige ich wenige Gewohnheiten und Routinen. Ich versuche ausreichend zu schlafen und ausgewogen zu Essen. Dazu ist wichtig, dass die Mahlzeiten vor der Sportleistung etwas her sind. Weiter kann ich mich sehr gut mit Musik motivieren und versuche vor den Spielen in der Kabine kurz in mich zu gehen und mich an meine Stärken zu erinnern.

Nutzt du mentale Strategien, um deine optimale Leistung zu bringen? Wenn ja, magst du zwei, drei davon erzählen?

Seitdem du mit uns das Mentaltraining etwas angerissen hast, versuche ich zwei mentale Strategien umzusetzen, sowohl beim Handball, als auch im Alltag. Dies ist zum einen das Nutzen von Atemtechniken, um in Stresssituationen runterzufahren, kurz abzuschalten und sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren. Zum anderen nutze ich die Stopp-Technik, bei der sich bei einem negativen Gedankenfluss an ein Stopp-Signal erinnert wird, um das Aufbauen von positiven Gedanken wieder zu fördern. Gerade die letzte mentale Strategie finde ich sehr passend, da ich der Meinung bin, dass eine positive Grundeinstellung im Leben ganz allgemein sehr hilfreich und nützlich sein kann und dazu beiträgt Schwierigkeiten leichter zu meistern und erfolgreich zu sein.

Welchen Tipp würdest du Jugendlichen im Sport gerne mitgeben und welchen Ratschlag sollten sie auf jeden Fall ignorieren?

Ich würde ihnen gerne den Tipp mitgeben immer an sich und seine Stärken zu glauben und mit Selbstbewusstsein aufzutreten und zu spielen. Fehler und Leistungsschwankungen sind völlig normal, davon sollte man sich nicht unterkriegen lassen. Weiter ist es wichtig, das zu fokussieren, was man selber möchte. Nur du kannst entscheiden, was du willst und was das Beste für dich ist. Bist du dir im Klaren, was deine Ziele sind und wo du hinmöchtest, so wirst du sie auch schneller erreichen. Der für mich wichtigste Punkt ist jedoch, dass niemals der Spaß am Sport und Handball in den Hintergrund geraten darf. Der Sport sollte ein Hobby bleiben, das man gerne ausführt und was einen erfüllt.

Immer den Blick für die Mitspielerinnen: Luca Vodde passt zu Svenja Ruhöfer

Welches Buch würdest du jungen Sportler:innen empfehlen?

Ich lese eigentlich nur Bücher aus dem Fantasy-Bereich. Aus diesem Grund kann ich leider keine Buchempfehlung geben, die für den Sport nützlich ist.

Was würdest du dir für die Arbeit mit Jugendlichen in den Vereinen und für den Sportunterricht an Schulen wünschen?

Ich würde mir wünschen, dass mehr qualifizierte Trainer und Trainerinnen im Jugendbereich eingesetzt werden, die es schaffen die Motivation und den Spaß aufrechtzuerhalten und die Kinder und Jugendlichen „abzuholen“. Zudem würde ich mir eine gute Kooperation zwischen den verschiedenen Sportabteilungen innerhalb des Vereins erhoffen, damit alle Kinder und Jugendlichen ihren Interessen nachgehen können und vielseitig geschult werden.

Bezüglich des Sportunterrichtes würde ich mir wünschen, dass die Schulen die Wichtigkeit der Bewegung für die Kinder erkennen und den Sport als elementaren Bereich intensiver fördern. Dazu sollten Vereine an Schulen AGs durchführen, um die Kinder und Jugendlichen zum Sport auch außerhalb der Schule zu motivieren und an den Mannschaftssport heranzuführen.

Ihr braucht noch mehr Sport-Inspirationen:

Wenn ihr euch die Spiele der 1. Damen der SFN Vechta angucken wollt, guckt einfach auf der OM-Sport Seite von Ton Delbressine vorbei.

Ein tolles Material, um Klarheit für die eigenen Ziele im Sport zu finden oder anderen zu helfen, ihre persönlichen Ziele zu definieren, bietet das Workbook „Ziele erreichen im Sport“.

Hier findet ihr weitere Interviews, z. B. von Dressur-Reiterin Kristina Bröring-Sprehe, Läuferin Kathi Stark oder Triathletin Inga Hintze.

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