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Mentaltraining im Sport – Interview mit Madeleine Ullrich

Heute gibt es ein Interview aus dem Bereich des Sportmentaltrainings. Dazu beantwortet Madeleine Ullrich einige Fragen und gibt detaillierte Einblicke in die Vorteile von mentalem Training im Sport, ihren eigenen sportlichen Erfahrungen und ihrer Arbeit als sportpsychologischer Beraterin und Sportmentaltrainerin.

Madeleine Ullrich

Madeleine Ullrich ist im Sport als Schwimmerin gestartet. Seit 2005 ist sie lizenzierte Schwimmtrainerin beim Bayrischen Schwimmverband. Auch im Triathlon-Sport ist sie zuhause, finishte 2015 die Langdistanz bei der Challenge Roth. Nach ihrem Sport- und Eventmanagement-Studium arbeitete sie im Marketing- und Projektmanagement. Darüber hinaus bildete sie sich zur diplomierten Sport Mental Trainerin und sportpsychologischen Beraterin aus.

In diesem Bereich sieht sie auch ihre große Vision: Sie möchte junge Sportlerinnen und Sportler dabei unterstützen, ihre volle Begeisterung im Sport & im Alltag zu leben und ihre persönlichen Erfolge zu feiern. Besonders am Herzen liegen ihr dabei Nachwuchssportlerinnen und -sportler. Für diese hat sie u. a. einen Online-Kurs entwickelt, in dem sie ich selbst genau kennenlernen und ihre Ziele definieren.

Interview Sportmentaltraining

Liebe Madeleine, ich freue mich sehr, dass du bereit bist, für den Glückslockenkopf-Blog einmal die folgenden Fragen zu beantworten und aus von deiner Tätigkeit zu berichten.

Magst du dich einmal kurz vorstellen, wer du bist und was dich aktuell in deinem Leben besonders beschäftigt?

Ich bin eine sportbegeisterte und naturliebhabende Wahl-Münchnerin, die mit der Sportpsychologie und dem Mentoring von Nachwuchssportler*innen ihre Begeisterung zum Beruf gemacht hat: das Beste aus jungen Sportler*innen herauszuholen – durch einen menschlichen und empathischen Zugang. Neben meiner Arbeit mit Nachwuchssportler*innen bin ich externe Dozentin für „emotionale Führung im Sport“ an diversen Hochschulen und Universitäten und darf dieses Wissen auch in verschiedenen Trainerfortbildungen vermitteln.

In der aktuellen Corona Zeit und dem leider noch immer anhaltenden Lockdown beschäftigen mich vor allem junge Sportler*innen, die aufgrund der Einschränkungen gar nicht trainieren dürfen oder trotz Trainingserlaubnis (aufgrund eines Kaderstatus) mit Zweifel, Frustration und Demotivation aufgrund fehlender Wettkämpfe zu kämpfen haben.

Beschreibe doch einmal, wie sich dein beruflicher Weg hin zu deiner Selbstständigkeit als sportpsychologische Beraterin und Mentaltrainerin entwickelt hat.

Sport war schon immer ein großer Teil meines Lebens. Im Jugendalter bin ich geschwommen, später bin ich dann zum Triathlon gewechselt. Als Schwimmtrainerin stand ich viele Jahre für Jugend- und Nachwuchsmannschaften am Beckenrand. Für meinen beruflichen Weg wusste ich nach dem Abi und einem Auslandsjahr in Amerika vor allem eines: Ich möchte für Olympische Spiele arbeiten. Aus diesem Grund habe ich Sportmanagement studiert. Im dritten Semester des Bachelorstudiengangs habe ich Sportpsychologie als Wahlfach belegt und meine Begeisterung für diese wahnsinnig interessante und vielschichtig angewandte Wissenschaft entdeckt. Im fünften Semester durfte ich mir meinen Jugendtraum mit einem Praktikum bei den ersten Jugend Olympischen Winterspielen in Innsbruck erfüllen. Die leuchtenden Augen, Teil einer nationalen Auswahl sein zu dürfen, der Kampfgeist und auch die ein oder andere Träne der jungen Sportler*innen haben sich in meinem Unterbewusstsein festgesetzt und bilden mit den Grund, wieso ich mich heute hauptsächlich auf Nachwuchssportler*innen fokussiere. Auf dieses Ereignis folgte dann auch ein 3-monatiger Einsatz im Rahmen der Olympischen Sommerspiele 2012 in London, wo ich als Delegationsassistentin der deutschen Mannschaft im olympischen Dorf tätig sein durfte. Für mein darauffolgendes Masterstudium in Sportmanagement habe ich die Sportpsychologie wieder als Schwerpunkt gesetzt und meine Masterarbeit über „Motivation moderner Marathonläufer“ verfasst. Im Anschluss an den Master absolvierte ich eine einjährige Ausbildung zur sportpsychologischen Beraterin & Sport Mentaltrainerin. Begonnen habe ich erst einmal nebenberuflich u.a. mit Workshops über „mentale Stärke“, „mentale Strategien für das Freiwasserschwimmen im Triathlon“ und dem Coaching von Einzelsportler*innen – vor allem im Triathlon & Laufsport“. Seit Januar 2020 bin ich nun hauptberuflich im sportpsychologischen Mentoring für Nachwuchssportler*innen sowie als Referentin und Dozentin für „emotionale Führung im Sport“ tätig.

Deine Vision ist es, Jugendliche möglichst früh an das mentale Training heranzuführen. Welche Vorteile siehst du für Jugendliche im Sport und darüber hinaus durch das Mentaltraining?

Idealerweise beginnt Sport Mentaltraining schon im frühen Kindesalter. Die Techniken lassen sich je nach Altersstufe anpassen – sodass auch eine spielerische Umsetzung möglich ist.

Sportler*innen, die mental trainieren

·       lernen ihre Gedanken so zu steuern, dass sie leistungsfördernd auf ihre Handlungen wirken

·       machen aus ihren Träumen und Wünschen konkrete und persönliche Ziele 

·       lernen die eigenen Emotionen zu verstehen und zu regulieren

·       beeinflussen damit ihre innere Ruhe und ihre Gelassenheit, aber auch ihre Aktivierung für den Zeitpunkt „wenn`s drauf ankommt“

·       erhöhen ihre Konzentrationsfähigkeit – die Grundvoraussetzung für den berühmten Flow Zustand

·       lassen sich von Niederlagen und Rückschlägen weniger herunterziehen und demotivieren – sie bauen eine gute Resilienz (Widerstandsfähigkeit) auf

·       optimieren ihr Selbstmanagement

Und vor allem: Sie fördern ihr Selbstvertrauen, da sie sich mit ihren Stärken und persönlichen Eigenschaften vertraut machen

Mentale Stärke wirkt sich nicht nur im Sport aus – sondern auch im schulischen Bereich, in der Ausbildung, im Beruf und natürlich im Alltag. 

Und genau hier befinden wir uns in einem „Engelskreislauf“: 

Beispiel: Durch erfolgreiche schulische Leistungen, aufgrund einer erhöhten Konzentration, die ich durch mentales Training erlangt habe, ergeben sich weniger „Sorgen“, weniger Druck und ein stärkeres Selbstvertrauen. Dies wirkt sich wiederum auf die sportliche Leistung aus – der Fokus liegt stärker auf der sportlichen Ausübung und wird weniger durch Grübeln – beispielsweise über die bevorstehende Schulaufgabe – verlagert. 

Regelmäßiges und systematisches Mentaltraining bringt einen Kreislauf in Schwung, der sich auf allen Ebenen und in allen Rollen des Lebens positiv und leistungsfördernd bedingt!

Welche Ideen und Anregungen hast du für Trainer, Trainerinnen und Verbände, um ihre Sportlerinnen und Sportler in ihre volle Kraft zu bringen und sie mental auf ihre Ziele vorzubereiten?

An dieser Stelle ein großes Lob an alle Trainer*innen, Vereine und Verbände, die ihren Sportler*innen – außerhalb des Hochleistungssports – Zugang zur Sportpsychologie & mentalem Training bieten.

Der Startpunkt mit Sport Mentaltraining sollte jener sein, dass sich Trainer*innen bewusst damit beschäftigen, welche Persönlichkeitseigenschaften ihre Sportler*innen mitbringen:

„Wer ist mein*e Sportler*in? Was zeichnet sie oder ihn aus?“.

Die Basis mentaler Stärke ist ein gutes Selbstvertrauen. Es ist nicht zielführend – sogar kontraproduktiv -, wenn Sportler*innen beispielsweise Zielbilder oder Bewegungsabläufe visualisieren – diese aber Zweifel hegen, ob es wirklich so kommen wird. Die aufkommenden negativen Gefühle werden mit den visualisierten Bildern verknüpft und im Unterbewusstsein abgespeichert.

Jeder Mensch und somit auch jede*r Sportler*in ist individuell. Somit kann es sein, dass zwei Sportler*innen auf die ein und dieselbe Aussage oder Situation (komplett) unterschiedlich reagieren. Für Sportler*in X kann es eine Stärkung des Selbstvertrauens bewirken. Für Sportler*in Y kann es zu Selbstzweifeln kommen. Umso genauer du die einzelnen Persönlichkeiten deiner Sportler*innen kennst, desto besser.

Denn: Unterschiedliche Persönlichkeiten benötigen zum Teil auch einen unterschiedlichen Umgang mit den Sportler*innen – durch dich als Trainer*in – v.a. in Einzelansprachen & -gesprächen, um eine positive, stärkende und letztendlich leistungsfördernde Wirkung zu erzielen.

Das ist für mich der erste Schritt. Mit einer individuellen Ansprache und der Tatsache, dass sie die Sportler*innen als Mensch betrachten und sie nicht nur auf ihre sportliche Leistungsfähigkeit reduzieren, können Trainer*innen einen großen Teil zur Förderung der mentalen Stärke beitragen.

Im nächsten Schritt geht es darum, sportpsychologische Methoden und mentale Techniken systematisch in den Trainingsalltag einzubauen. Hierbei geht es vor allem um Visualisierung, Entspannung & Aktivierung sowie Konzentration. Hierfür eignet es sich einen Experten mit ins Team zu holen, welcher einen zielführenden Plan hierfür entwickelt. Denn auch hier gilt wieder: Welche Technik für Sportler*in X leistungsfördernd ist, kann für Sportler*in Y nicht funktionieren.

Du selbst hast auch zahlreiche Erfahrungen im Sport gesammelt und bist eine aktive Triathletin. Wie hat dir persönlich das Mentaltraining dabei geholfen, deine Ziele zu erreichen? Was war dein persönlich wichtigster Erfolg in deiner Sportlaufbahn?

Durch die aktive und systematische Aufnahme von Sport Mentaltraining in meinen (Trainings)Alltag habe ich vor allem gelernt meine Gedanken besser wahrzunehmen und vor allem auch zu steuern und zu beeinflussen. In der Vorbereitung auf meine erste „Ironman“ Distanz 2015 hat mir diese Fähigkeit vor allem bei langen und kräftezehrenden Einheiten geholfen, durchzuhalten und sogar neue Energie während eines langen Laufes oder einer bergigen Radeinheit zu sammeln. Gedanken wie „es ist anstrengend, mir tut alles weh, ich höre auf“ sind absolut normal. Auch jede*r Profisportler*in kennt diese Gedanken. Die Krux ist jedoch, diesen Gedanken keinen Raum zu geben, sie aber auch nicht gewaltvoll aus dem Kopf bekommen zu wollen – sondern sie „umzuschreiben“, sodass sie statt einer leistungshemmenden eine leistungsfördernde Wirkung erzielen. Unsere Gedanken sind der Ursprung unserer körperlichen Leistungsfähigkeit, über unsere Gedanken werden unsere Muskeln gesteuert. Dieses Wissen und mein aktives Training in diesem Bereich war ein Game Changer für meine sportliche Leistungsfähigkeit. Somit kann ich auch meinen ersten Langstrecken Triathlon über die Ironman Distanz (Challenge Roth 2015) als meinen persönlichen (!) größten sportlichen und mentalen Erfolg bezeichnen. Wenn ich auf meinen Körper gehört hätte, hätte ich nach der Radstrecke schon aufgeben, aber meine Gedanken waren so auf „Finishline“ programmiert, dass mein Kopf den abschließenden Marathon für mich gelaufen ist und die Beine nur ausführende Kraft waren.

Welchen Tipp möchtest du Nachwuchssportlern gerne mitgeben?

Seid offen für die Sportpsychologie und Sport Mentaltraining. Es kursiert oft der Mythos, dass Sportpsychologie „mit psychischen Problemen“ zu tun hat. Das ist absolut nicht der Fall! Sportpsychologische Methoden und mentale Techniken haben nur ein Ziel: Deine sportliche Leistungsfähigkeit auf ein neues Niveau zu bringen und dir zu ermöglichen, dass du im Wettkampf deine körperliche Leistungsfähigkeit auf den Punkt genau abrufen kannst und nicht unter deinen Möglichkeiten bleibst.

Sport Mentaltraining ist kreativ, macht in der Umsetzung Freude und unterstützt dein körperliches Training – denn Erfolg hat seinen Ursprung im Kopf. Deine Muskulatur wird größtenteils von deinen Gedanken gesteuert.

In einer Umfrage bei Olympischen Spielen gaben über 90% der Athlet*innen an, dass sie mental trainieren. Mach es wie die Profis und integriere es auch in deinen Trainingsalltag. Sprich aber bitte mit deinen Trainer*innen darüber, ob sie Erfahrungen mit Sport Mentaltraining haben und dich unterstützen können oder wende dich an eine*n Expert*in.

Was würdest du dir für die Arbeit mit Jugendlichen in Vereinen und im Sportunterricht wünschen?

Für den Sportunterricht ganz klar: Keine Noten und eine andere Formulierung als „Unterricht“. Die Sportstunden sollten dafür dienen, dass Schüler*innen sich austoben und ausprobieren dürfen – ohne dafür beurteilt zu werden. Eine Auszeit zum normalen Unterricht. Die positive Kraft, die Bewegung auf unseren Körper und auf unseren Geist hat, sollte nicht durch Noten und die damit zum Teil verbundenen Zweifel und Ängste zerstört werden. Wenn Schüler*innen Sport als Leistungskurs etc. wählen, ist das eine andere Sache. Dann entscheiden sie sich bewusst dafür, Leistung zu bringen und beurteilt zu werden.

Für Vereine wünsche ich mir eine umfassendere Förderung seitens der Verbände. Vereine existieren meist nur aufgrund von ehrenamtlichen Tätigkeiten. Sie sind oft bereit, über den Tellerrand hinaus zu schauen und die Kinder-und Jungendförderung über die sportliche Ausbildung hinaus zu erweitern. Aber in den meisten Fällen fehlen die finanziellen Mittel und personellen Ressourcen, um die Umsetzung anzugehen oder langfristig zu integrieren.

Erfolg durch Begeisterung

Weitere spannende Einblicke in die Arbeit von Madeleine, ihre Angebote für Sportler*innen, Trainer*innen, aber auch z. B. für Schulen und Lehrer*innen findet ihr auf Madeleines Website Erfolg durch Begeisterung.

Möchtest du auch deine sportlichen Ziele genauer festlegen? Dann probiere doch das Workbook für deine Ziele im Sport aus.

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